Robert Finger: "Die Umweltziele sind offensichtlich nicht erreicht"

Robert Finger sieht sich als Professor für das ganze Ernährungssystem. ein Gespräch über die Agrarpolitik 2022+, den Absenkpfad Pestizide und den Ausgang der Abstimmungen im Juni 2022.

28. November 2020 | Staffel 1, Folge 01

Robert Finger ist laut Tagesanzeiger "Ein Professor für die Bauern." Finger selbst sieht sich eher als Professor für das ganze Ernährungssystem und hätte deshalb einen anderen Titel gesetzt. Im Gespräch über die Agrarpolitik 2022+, den Absenkpfad Pestizide (Pa. IV 19.475) und den Ausgang der Abstimmungen zur Trinkwasser- und Pestizidverbotsinitiative ist der Agrarökonom vorsichtig mit Prognosen.

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"Wir sind in einer Phase extremer Verunsicherung."

Robert Finger betont, dass es nicht reicht, nur über die landwirtschaftlichen Betriebe zu reden. Die Agrarpolitik müsse sich nämlich auch daran messen lassen, ob die Umweltziele erreicht werden könnten. Er plädiert im Gespräch mit Andreas Wyss für eine gesamtheitliche Betrachtung und neue Lösungen. Diese seien durchaus nötig. Denn die letzte Reform der Agrarpolitik wurde vor rund zehn Jahren gestaltet.

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Dass sich so viele Initiativen mit der Landwirtschaft befassen, sorgt für Verunsicherung. Selbst wenn die Trinkwasser- und Pestizidverbotsinitiativen abgelehnt werden, geht es laut Finger weiter. Seiner Meinung nach ist es nicht zielführend, sich in einen immerwährenden Abstimmungskampf zu werfen. Stattdessen wächst der Druck nach einem grösseren Wurf - beispielsweise in Form einer integrierenden Ernährungspolitik. Eine Prognose zum Abstimmungsausgang will Finger aber nicht abgeben. Denn die nächsten Monate werden entscheidend sein. Weil offen ist, wie es mit der Agrarpolitik 2022+ weitergeht und weil nicht abgeschätzt werden kann, wie unter anderem Produzentenorganisationen, landwirtschaftliche Schulen und andere politikferne Akteure mit den Themen umgehen. Fest steht nur, dass die Ansprüche der Gesellschaft nicht ignoriert werden können.

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Die Agrarökonomen_innen der ETH Zürich publizieren viele ihrer Forschungsergebnisse und Kommentare zur Agrarpolitik in der Schweiz in verständlicher Form auf ihrem Agrarpolitik-Blog.


Agrarpolitik, der Podcast

Agrarpolitik wird von vielen Menschen gemacht: von Landwirten, von Verbandsvertreterinnen und -Vertretern, vom Bundesrat, von Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Was politisch opportun ist, ist nicht immer richtig. Und was richtig ist, ist nicht immer politisch opportun. In diesem Podcast gehen wir mit Ihnen auf die Suche nach der besseren, schöneren, wirkungsvolleren und verständlicheren Agrarpolitik. Wir zeigen Entwicklungen, Lösungswege und Handlungsachsen.
Wir sind: Sie, unsere Gäste, Andreas Wyss (Gespräche) und Hansjürg Jäger (Produktion).