Eva Reinhard: "Die Trinkwasser-Initiative hat für ein Umdenken und viel Bewegung gesorgt"

Die Agroscope-Chefin plädiert für ambitionierte Ziele und schätzt die gemeinsame Lösungsfindung und den öffentlichen Diskurs über die Zukunft der Landwirtschaft.

26. Dezember 2020 | Staffel 1, Folge 03

Eva Reinhard leitet seit April 2018 die Forschungsanstalt Agroscope. Sie plädiert für ambitionierte Ziele und vorwärtsorientierte Strategien, Stillstand ist ihr ein Graus. Ein Gespräch über die Weiterentwicklung des Absenkpfades Pestizide, die grosse agrarpolitische Frage, die Bedeutung der Trinkwasser-Initiative für die Landwirtschaft und kurze Dienstwege.

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"Die Trinkwasser-Initiative hat viel bewirkt. Sie hat für ein Umdenken und viel Bewegung gesorgt." Diese zwei Sätze sagt Eva Reinhard zu Beginn des Gesprächs mit Andreas Wyss. Tatsächlich wäre der Absenkpfad Pestizide ohne die Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative nicht zustandegekommen. Der informelle Gegenvorschlag ist nach der Sistierung der Agrarpolitik 2022+ zusammen mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel und der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) und weiteren Massnahmen die "einzige" Antwort des Parlaments auf die Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative.

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Ob der Absenkpfad die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmittel für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und die Belastung im Grundwasser bis 2027 um 50 Prozent senkt, muss sich noch zeigen. Reinhard spricht von herausfordernden Massnahmen und erklärt, dass Agroscope für eine korrekte Datengrundlage gerade bei Ackerkulturen auf die Landwirtschaft angewiesen sei. Denn bis jetzt beruht die Risikobeurteilung des Pestizideinsatzes auf den Agrarumwelt-Indikatoren - gerade für Kulturen wie Raps oder Mais sind diese Daten aber ungenügend, um standortangepasste und damit für die Praxis genügend genaue Berechnungen anzustellen.

"Die grosse Frage der Agrarpolitik ist: wie viel Extensivierung ist sinnvoll?"

Die Sistierung der Agrarpolitik 2022+ bezeichnet Reinhard als schade. Sie betont, dass bei einem so grossen Politik-Paket unweigerlich Verbesserungsbedarf entstehe. "Die grosse Frage der Agrarpolitik ist: wie viel Extensivierung ist sinnvoll?" Wie Reinhard weiter ausführt, sei die Antwort auf diese Frage grösser als die Schweiz. Zwar könne man alle Umweltziele "locker" erreichen, wenn die Produktion in der Schweiz gedrosselt würde. "Die Frage ist: wollen wir das?" Reinhard nimmt die Antwort vorweg: "Die Forschung will einen Beitrag an die Versorgung leisten. Aber mit weniger Emissionen. "Nur die Produktion zu drosseln ist vielleicht zu einfach", so Reinhard weiter.

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"Wir stehen nicht alleine da", sagt Eva Reinhard zur Frage, ob sich die Herausforderungen im Ausland von jenen in der Schweiz unterscheiden würden. Wie Reinhard sagt, sind die Herausforderungen im Ausland ähnlich. An der Schweiz schätzt sie die kurzen Wege zur Politik. Die gemeinsame Lösungsfindung stehe im Vordergrund, ebenso schätzt sie, dass der Diskurs in der Schweiz öffentlicher geführt wird.


Agrarpolitik, der Podcast

Agrarpolitik wird von vielen Menschen gemacht: von Landwirten, von Verbandsvertreterinnen und -Vertretern, vom Bundesrat, von Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Was politisch opportun ist, ist nicht immer richtig. Und was richtig ist, ist nicht immer politisch opportun. In diesem Podcast gehen wir mit Ihnen auf die Suche nach der besseren, schöneren, wirkungsvolleren und verständlicheren Agrarpolitik. Wir zeigen Entwicklungen, Lösungswege und Handlungsachsen.
Wir sind: Sie, unsere Gäste, Andreas Wyss (Gespräche) und Hansjürg Jäger (Produktion).