Agrarpolitik mit Jürg Guggisberg: "Software verkauft sich nicht über das Internet"

Landwirte_innen wollen sehen, was Farm-Management-Systeme können. Und sie erfassen Daten vor allem, weil sie müssen. Das und mehr sagt der Geschäftsführer der Softwarefirma Barto in dieser Folge.

28. August 2021 | Staffel 4, Folge 2

👋 Guten Morgen

Agrarpolitik - der Podcast, heute mit Jürg Guggisberg von der Softwarefirma Barto über Datenerfassung, Datenbewirtschaftung und die Frage, warum Kontroll-Kompatibilität ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Einführung von Farm-Management-Software ist.

Hier den Podcast mit Guggisberg hören

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Unten die wichtigsten Aussagen - Frohes hören, danke fürs Teilen und Liken und schön, dass Sie da sind ✨.


Wofür Daten genutzt werden (können) - und wo sie gespeichert werden

Daten sind wertvoll. Sie liefern Informationen über uns. Und sie lassen Rückschlüsse zu; darauf, was wir mögen. Und darauf, was wir nicht so toll finden. Was vor fünfzig Jahren noch mühsame Marktforschung war, erledigen wir heute selbst - indem wir unsere Datenspuren im Internet hinterlassen. Die grossen Firmen - allen voran Facebook, Amazon, Google und Apple - haben gelernt, diese Datenspuren auszuwerten. Und uns mit passgenauer Werbung zu bedienen. “Das Gold kommt aus der Veredelung der persönlichen Daten der Nutzer”, sagt Jürg Guggisberg, Geschäftsführer der Firma Barto im Gespräch mit Andreas Wyss.

“Es ist der Nutzer, der [bei Barto] letztlich entscheidet, ob er mit einem Datenpartner zusammenarbeitet”

Barto als Plattform funktioniert anders. Die Firma bietet verschiedene Lösungen zur Datenerfassung und -Weitergabe in der Landwirtschaft an. Die Nutzerdaten werden dabei treuhänderisch verwaltet. “Es ist der Nutzer, der letztlich entscheidet, ob er mit einem Datenpartner zusammenarbeitet”, sagt Guggisberg. Die Daten sind webbasiert bei 365Farmnet oder Barto abgelegt und werden nicht weitergegeben. Werden Daten aufbereitet, geschieht das in zusätzlichen Programmen und nur dann, wenn die Nutzer ihr Einverständnis geben, dass ihre Daten diesen Programmen zugeführt werden dürfen.

Ohne gesetzliche Grundlage läuft nichts

Barto ergänzt die Datenplattformen des Bundes und der Kantone (zum Beispiel GELAN, Agricola, LAWIS). Mit diesen Plattformen stellen die Kantone den Agrarvollzug sicher und sammeln viele Grunddaten - etwa zur Fläche, zur Parzellengrössen oder über die Bewirtschaftung.

“Wenn staatliche Aufgaben an einen Privaten übertragen werden, dann hat der Nutzer keine Wahlfreiheit."

Die vollzugsorientierte öffentlich-rechtliche Datenerhebung braucht eine gesetzliche Grundlage und kann nur Teilaspekte abbilden. Guggisberg illustriert diese Lücke anhand des Tierverkehrs. Der öffentlich-rechtliche Teil der Aufzeichnungspflicht dient der Nachverfolgung der Tierbestände “aus seuchenteschnischen Überlegungen.” Die Labeleinstalllungen indes sind für IP-Suisse Bio Suisse und QM Schweizer Fleisch von Bedeutung. “Das kann und will der Bund gar nicht abdecken. Trotzdem haben die Landwirte den Anspruch, dass sie erfassen können, dass Tier XY zugegangen ist und in einem Label mitmacht.”

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Damit privat- und öffentlichrechtlicher Daten kombiniert werden können, braucht es Schnittstellen. Drittsysteme wie Barto (und andere Farm-Management-Systeme) können über Schnittstellen Bundesdaten abholen und mit auf privatrechtlicher Basis gesammelten Daten kombinieren.

Daten werden insbesondere für den Vollzug gesammelt

Dass Landwirte Daten sammeln, hat einen einfachen Grund: sie müssen. “Im Rahmen der Direktzahlungen - aber auch aufgrund Anforderungen der Abnehmer, aufgrund Labelanforderungen.” Dass Betriebe aus reinem Interesse und nur um der betrieblichen Verbesserung Willen Daten sammeln, sei selten der Fall. Guggisberg verweist auf Tools, die schon länger auf dem Markt sind - und nur deshalb eingesetzt werden, weil sie für zentrale Auswertungen eingesetzt werden.

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“Ein verbessertes Datenmanagement hat Potenzial, die betriebliche Tätigkeit zu verbessern”, sagt Guggisberg. Aber “diese Möglichkeiten bestehen für den, der sie nutzen will, schon lange.” Guggisberg erwähnt die Brattig1 und darauf, dass Landwirte schon früher ihre Arbeit dokumentierten. Heute ermöglichen digitale Planungstools über Schnittstellen die direkte Einbindung der ÖLN-relevanten Daten. “Aber es bedingt immer noch den Willen des Betriebsleiters”, sagt Guggisberg.

Software muss kontrollkompatibel sein und begutachtet werden können

Das Gespräch mit Jürg Guggisberg macht deutlich, das Software von Menschen angewendet wird, um Aufgaben zu bewältigen - sei das zur Dokumentation, Kommunikation, zur betrieblichen Verbesserung oder zur Befriedigung ihrer Neugier.

Neben den technischen Aspekten entscheiden laut Guggisberg noch zwei weitere Faktoren, ob eine digitale Lösung wirklich angewendet wird:

  • Neue Programme müssen kontrollkompatibel sein. Als Beispiel nennt Guggisberg die Lancierung des Wiesen- und Auslaufjournals von Barto. Dieses wurde Schweizweit von den Kontrollbehörden anerkannt, was die Einführung stark vereinfachte. “Eine Grundangst bei vielen Landwirten ist, dass sie bei der Kontrolle ein Problem kriegen”.

  • Demonstration und Vorstellung: Damit Landwirte neue Technologie einsetzen, müssen sie sie sehen, sagt Guggisberg. Feldtage und Messen erleichtern dabei die Demonstration und Gewinnung von Neukunden. Denn “Software verkauft sich nicht nur über das Internet.”

Soviel für den Moment von uns. 🙏 Danke fürs Interesse, schönes Wochenende 👋 und frohes Podcast-Hören 😀.

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Agrarpolitik - der Podcast

Agrarpolitik wird von vielen Menschen umgesetzt und gemacht: von Landwirtinnen und Landwirten, von Verbandsvertreterinnen und -Vertretern, vom Bundesrat, von Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Was politisch opportun ist, ist nicht immer richtig. Und was richtig ist, ist nicht immer politisch opportun. Im Agrarpolitik-Podcast gehen wir mit Ihnen auf die Suche nach einer besseren, schöneren, wirkungsvolleren und verständlicheren Agrarpolitik. Wir zeigen Entwicklungen, Lösungswege und Handlungsachsen. Wir sind: Sie, unsere Gäste, Andreas Wyss (Gespräche) und Hansjürg Jäger (Produktion).

p.s.: hier können Sie unsere Arbeit mit einem kleinen Beitrag unterstützen.

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Ein Brattig ist ein Jahreskalender. Und sie sind ganz schön praktisch, schreibt das SRF.